Wer dieser Tage als Familie einen Renntag auf unseren deutschen Rennbahnen besuchen möchte, reibt sich spätestens an der Tageskasse ungläubig die Augen. Eintrittspreise zwischen 16 und 20 Euro – pro Person. Für eine vierköpfige Familie ist das Budget schon ausgereizt, bevor überhaupt der erste Huf die Bahn berührt hat. Wer dann noch den logischen hunger der Kinder stillen will, wird bei Preisen von fast 10 Euro für eine Portion Currywurst mit Pommes und gesalzenen Preisen für eine Kugel Eis endgültig abgezockt. Dass die Rennvereine die Gastronomie an externe Caterer verscherbeln, um das eigene Risiko zu minimieren, mag betriebswirtschaftlich bequem sein – für die Zuschauerbindung ist es eine absolute Katastrophe.
Früher gab es kreative Kooperationen mit lokalen Supermärkten oder Händlern, die Freikarten unters Volk brachten. Die Bahnen waren voll, die Stimmung grandios. Heute herrscht oft gähnende Leere auf den Rängen, weil man stur versucht, den Mangel über die Ticketpreise der verbliebenen Getreuen zu verwalten.
Doch das eigentliche Dilemma liegt tiefer. Der Sport scheint seine Seele immer mehr an das reine Wettgeschäft zu verkaufen. Wer die Renntage mangels bezahlbarer Alternativen im Livestream von Wettstar verfolgt, wird von einer aggressiven Dauerbeschallung mit Wettwerbung schier erschlagen. Der Livestream ist kein Schaufenster für die Faszination Pferd mehr, sondern ein reines, digitales Verkaufsportal.
Wie tief das Niveau inzwischen gesunken ist, zeigte sich jüngst am Fronleichnam-Renntag: Da wird ein harmloses Maskottchen-Rennen – eigentlich das absolute Highlight für die kleinsten Besucher – dafür instrumentalisiert, Kinder spielerisch dazu zu animieren, eine virtuelle Wette abzugeben. Wenn wir schon die Jüngsten im Grundschulalter zu Wettkunden von morgen erziehen müssen, um den Betrieb irgendwie zu finanzieren, läuft hier moralisch gewaltig etwas schief.
Der deutsche Rennsport vergrault im Rekordtempo die nächste Generation an Zuschauern, Fans und potenziellen Besitzern. Wenn die Rennvereine nicht schleunigst umdenken, bezahlbare Familientage auf die Beine stellen und den Sport wieder vor die reine Glücksspiel-Verlockung stellen, wird das Licht auf den Bahnen bald endgültig ausgehen. Und dann helfen auch keine Millionen-Rücklagen der Servicegesellschaften mehr.





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